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Ist es als Kompliment zu erachten, immer wieder mit der
denkwürdigen Aussage, man sei ein „normaler“ Mensch geblieben, konfrontiert zu
werden? Ich kann damit gut leben.
Ich wurde 1958 als viertes Kind meiner Eltern geboren, verbrachte eine schöne Kindheit, wurde
aufgrund meines nicht immer beispielhaften Verhaltens 1972 für ein knappes Jahr in ein englisches Internat gesteckt.
Allen jetzt ob dieser Tatsache geäußerten Mitleidsbekundungen zum Trotz möchte ich anmerken, daß ich diese
Zeit nach kurzen Anfangsschwierigkeiten sehr genossen und auch hiervon profitiert habe.
1978 folgte das Abitur und die
Frage nach dem „was nun“. Ich hatte mir in der Jugendzeit in den Kopf gesetzt,
eines Tages ein berühmter Pianist zu sein, dieser Traum schien mir
realistisch, jedoch rieten mir jene, die es wissen sollten (u.a. Christoph von
Dohnanyi) von einer möglichen Musikerlaufbahn ab. Das kam mir nicht ungelegen,
die Idee eines „ordentlichen“ Berufs , gepaart mit der Option, das Klavierspiel
als Hobby weiter zu betreiben, gefiel mir.
Der numerus clausus jedoch „verhinderte“ diese
Entscheidung, die Enttäuschung hierüber jedoch wurde schnell durch das mir
entgegengebrachte Wohlwollen deutscher Musikhochschulen kompensiert. Ich wollte
nach München oder Freiburg und ging nach Hannover – zum Glück.
Prof. K.-H. Kämmerling gab mir soviel mit, daß ich auf fünf
Kontinenten Preise erringen konnte und heute noch davon profitiere. Während der
Studienzeit wurde ich u.a. Stipendiat der Deutschen Studienstiftung, des
Deutschen Musikrats, konkurrierte mit und gegen einige Pianisten, die heute zu
meinen Freunden zählen, fuhr zu Wettbewerben, kam in der Majorität der Fälle
als Preisträger oder Gewinner zurück, und wurde engagiert, Konzerte zu spielen
und Aufnahmen für Funk und/oder Tonträger zu produzieren.
Gelegentliche Zweifel am Erfolg meines Unterfangens – u.a.
die immer wiederkehrende Frage, warum denn der Kollege, obwohl er weit weniger
„vorzuweisen“ habe als ich , mittlerweile weit mehr und bessere Engagements
bekäme – hinterließen nur kurze schmerzhafte Spuren.
Rezensionen, die mir Qualitäten wie „auf dem Wege zur absoluten Weltspitze“, „einer der besten
Deutschen Pianisten“, „der Nachfolger von Backhaus“, bescheinigten, waren
Balsam für meine Seele. Meine Eltern haben mich immer gefördert, ohne mich zu
überfordern, meine Lehrer haben meine Persönlichkeit mit geprägt, mehr oder
weniger bewußt Kräfte frei gesetzt, Wettbewerbe haben mir geholfen und wenn
gelegentlich kein Preis erzielt wurde, so blieb zumindest die Erinnerung an
eine interessante und schöne Zeit. Konzertengagements waren und sind die andere
Seite meines Lebens ; sie erzeugen Energie, Motivation, gelegentlich Angst,
Ehrfurcht, Respekt, Befriedigung, Befreiung und Rausch. Dank an all Diejenigen,
die mir Gelegenheit gaben und geben werden, diese Gefühle auszuleben.
Vielleicht wollte ich nicht unbedingt Pianist werden,
vielleicht war es wichtig, daß mir gelegentlich abgeraten wurde, diesen Beruf
ausüben zu wollen, vielleicht gibt es auch Ungerechtigkeiten, vielleicht wäre
ich besser Zahnmediziner geworden, wie ich es einmal geplant hatte. Vielleicht
hätte ich die Chancen , die mir gegeben wurden, besser nutzen sollen ,
vielleicht hätte mich ein etwas schwächerer Charakter weitergebracht,
vielleicht ist es gut, daß mein Jugendtraum nicht in Erfüllung ging.
I ch bin froh darüber, daß alles so ist , wie es ist, ich
danke allen, die mir geholfen haben , die mich geprägt und gefördert haben, die
mich engagiert haben und mich engagieren werden.
Vielleicht liegt mein persönliches Glück in dem
Umstand, daß nicht das Dasein als Pianist und die hiermit verbundenen Zwänge
wichtigstes Fundament meiner Existenz und meines Wohlbefindens sind, sondern
mein Umfeld, sprich Familie im Besonderen, aber auch Freundeskreis. |